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EuGH stärkt Reisende: Volle Erstattung bei komplett misslungenem Urlaub

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EuGH stärkt Reisende: Volle Erstattung bei komplett misslungenem Urlaub

Was gilt, wenn eine gebuchte Pauschalreise so massiv beeinträchtigt ist, dass an Erholung nicht mehr zu denken ist? Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden: Ist der Urlaub faktisch wertlos, haben Reisende Anspruch auf Rückzahlung des gesamten Reisepreises – selbst dann, wenn einzelne Leistungen formal erbracht wurden.

Der Fall: Vom Traumurlaub zum Dauerlärm

Zwei Reisende hatten bei einem Veranstalter eine Pauschalreise in ein hochwertiges Strandhotel gebucht. Erwartet wurden Ruhe, Komfort und Erholung. Tatsächlich fanden sie vor Ort jedoch eine völlig andere Situation vor.

Bereits kurz nach der Ankunft begannen umfangreiche Bauarbeiten im Hotel. Presslufthämmer, Baumaschinen und Staub bestimmten den Alltag. Das Schwimmbad wurde abgerissen, der Zugang zum Strand zeitweise gesperrt, und der Lärm hielt den ganzen Tag über an.

Auch die Verpflegung ließ stark zu wünschen übrig: Das Buffet war reduziert, Sitzplätze waren knapp, und viele Speisen standen nur eingeschränkt zur Verfügung. An Entspannung war nicht zu denken – der Urlaub verlor seinen Erholungswert vollständig.

Der Rechtsstreit: Anspruch auf vollständige Erstattung

Nach der Rückkehr forderten die Urlauber vom Reiseveranstalter die komplette Rückzahlung des Reisepreises. Ihre Begründung: Eine Reise, die von Beginn an unzumutbar ist, verfehlt ihren Zweck und ist wirtschaftlich wertlos.

Das zuständige nationale Gericht legte den Fall dem Europäischen Gerichtshof vor. Zentrale Frage war, ob trotz erbrachter Teilleistungen – etwa Unterkunft oder Verpflegung – ein Anspruch auf vollständige Rückerstattung bestehen kann, wenn der Urlaub insgesamt misslungen ist.

Die Entscheidung des EuGH: Wertloser Urlaub = voller Reisepreis zurück

Der EuGH entschied zugunsten der Reisenden (Urteil vom 23.10.2025, Az. C-469/24). Danach gilt:

Verlieren Reisende aufgrund schwerwiegender Mängel vollständig den Nutzen ihrer Reise, besteht Anspruch auf Rückerstattung des gesamten Reisepreises. Entscheidend ist, ob der Urlaub objektiv noch einen Erholungs- oder Nutzwert hat. Ist dies nicht der Fall – etwa wegen massiver Lärmbelastung, gesperrter Einrichtungen oder gravierender organisatorischer, hygienischer oder sicherheitsrelevanter Mängel – gilt der Reisevertrag insgesamt als gescheitert.

Mit dieser Entscheidung stärkt der EuGH die Verbraucherrechte deutlich und zieht klare Grenzen bei schweren Reisemängeln.

Schadensersatz nach deutschem Recht: Wann kommt er zusätzlich in Betracht?

Über die Rückzahlung hinaus kann nach deutschem Recht auch ein Anspruch auf Schadensersatz bestehen. Maßgeblich sind insbesondere §§ 651i Abs. 3 Nr. 7 Alt. 1 und 651n Abs. 1 Nr. 3 BGB.

Voraussetzung ist, dass der Reiseveranstalter die Beeinträchtigungen hätte vermeiden können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ihm geplante Bauarbeiten bekannt waren oder bei sorgfältiger Prüfung hätten bekannt sein müssen.

Nach der EuGH-Entscheidung sind nationale Gerichte nun verpflichtet zu prüfen, ob der Veranstalter über solche Umstände informiert war oder sie vorhersehen konnte. Trifft das zu, haftet er nicht nur auf Rückzahlung, sondern auch auf Schadensersatz wegen vermeidbarer Urlaubsbeeinträchtigungen.

Bedeutung für Pauschalreisende und Reiseveranstalter

Das Urteil hat spürbare Auswirkungen für beide Seiten:

Für Reisende
Die Entscheidung schafft Rechtssicherheit. Wer vor Ort mit gravierenden Mängeln konfrontiert ist, muss sich nicht mit einer bloßen Minderung zufriedengeben, sondern kann unter Umständen den gesamten Reisepreis zurückverlangen.

Für Reiseveranstalter
Die Anforderungen an Sorgfalt und Transparenz steigen. Veranstalter müssen künftig genauer prüfen, ob Einschränkungen absehbar sind – etwa durch Umbauten, behördliche Maßnahmen oder infrastrukturelle Probleme. Unterlassene Hinweise können erhebliche finanzielle Folgen haben.

Fazit: Klare Stärkung der Verbraucherrechte im Reiserecht

Der Europäische Gerichtshof stellt unmissverständlich klar: Ein Urlaub, der seinen Erholungszweck vollständig verfehlt, ist rechtlich kein Urlaub mehr.

Reisende müssen sich bei gravierenden Mängeln nicht mit Teilrückzahlungen zufriedengeben. Für die Praxis bedeutet das: Reiseveranstalter sind zu umfassender Transparenz verpflichtet. Wer vorhersehbare Einschränkungen verschweigt, riskiert Rückzahlungs- und Schadensersatzansprüche.

Wurde dein Urlaub durch Lärm, Bauarbeiten oder organisatorische Mängel ruiniert?
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